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Wissen im Islâm und wie man danach strebt - Teil 2

Wir sollten auch wissen, dass an bloßem Wissen nichts Gutes ist, solange es nicht von Handlungen begleitet wird. Allâh - der Erhabene - sagt: {O die ihr glaubt, warum sagt ihr, was ihr nicht tut? Welch schwerwiegende Abscheu erregt es bei Allâh, dass ihr sagt, was ihr nicht tut.} [Sûra 61:2]

Die große Bedeutsamkeit, die der Islâm dem Wissen beimisst, kann anhand eines Ereignisses im Leben des Propheten  nachvollzogen werden. In der Schlacht von Badr, in der der Prophet  einen Sieg über seine Gegner errang, nahm er  siebzig Personen aus den Reihen des Feindes gefangen. Diese Kriegsgefangenen waren des Lesens und des Schreibens kundig. Um von ihrer Bildung zu profitieren, erklärte der Prophet , dass jeder Gefangene, der zehn Muslimen das Lesen und Schreiben lehrte, ihm diese Tat als Lösegeld gutgeschrieben und er freigelassen würde. Wir können sagen, dass es sich hierbei um eine frühe Schule in der Geschichte des Islâm handelt, die vom Propheten  eingerichtet wurde, und all ihre Lehrer waren Nichtmuslime und überdies Kriegsgefangene.

 

Zum einen betont der Islâm das Lernen, zum anderen wurden all jene Faktoren, die für ein erfolgreiches Lernen entscheidend sind, von Allâh bereitgestellt. Einer dieser wichtigen Faktoren ist die Forschungsfreiheit. Ein Beispiel hierfür ist, dass in Makka, dem Geburtsort des Propheten , noch keine Datteln wuchsen. Schließlich wanderte der Prophet  nach Madîna, der Stadt der Datteln, aus. Eines Tages sah der Prophet  einige Leute auf Dattelpalmen, während sie mit etwas beschäftigt waren. Als sie gefragt wurden, womit sie beschäftigt seien, antworteten sie, dass sie die Palmen bestäubten. Der Prophet  schlug ihnen vor, es nicht zu tun. Im folgenden Jahr fiel die Dattelernte beträchtlich geringer aus als üblich. Der Prophet  fragte sie nach dem Grund. Sie teilten ihm mit, dass die Dattelernte von der Befruchtung abhängig sei. Da er  ihnen geraten hatte, davon abzulassen, unterließen sie es jedoch. Der Prophet  sagte ihnen daraufhin, dass sie so weiter machen sollen wie bisher. Anschließen fügte er hinzu:  «Ihr wisst um eure weltlichen Angelegenheiten besser als ich Bescheid. »   (Al-Buchârî)

 

Wir sollten auch wissen, dass an bloßem Wissen nichts Gutes ist, solange es nicht von Handlungen begleitet wird. Allâh - der Erhabene - sagt:  {O die ihr glaubt, warum sagt ihr, was ihr nicht tut? Welch schwerwiegende Abscheu erregt es bei Allâh, dass ihr sagt, was ihr nicht tut.}  [Sûra 61:2]

 

Wissen bringt viel Belohnung ein. Einer, der anderen den Weg zum Guten zeigt ist wie einer, der dieses Gute tut. Stirbt der Wissende, so endet sein Lohn bei Allâh nicht. Vielmehr dauert er fort und wächst, solange die Menschen von seinem Wissen profitieren. Der Prophet  sagte:  «Wenn jemand stirbt, enden all seine Taten außer dreien: ein dauerhaftes Almosen, nützliches Wissen und ein rechtschaffenes Kind, das für ihn betet.»  (Muslim)

 

Jemand, der kein Wissen hat, ist wie jemand, der in völliger Dunkelheit auf der Suche nach dem Weg herumirrt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er vom Weg abweicht, so dass der Satan ihn mit Leichtigkeit täuschen kann. Dies zeigt uns, dass die größte Gefahr in unserer Unwissenheit über die islâmischen Lehren liegt; genauso wie unsere Unachtsamkeit den Lehren des Qurâns und der Sunna des Propheten  gegenüber.

 

Sind wir andererseits mit dem Licht des Wissens gesegnet, sind wir fähig, deutlich den klaren Weg des Islâm in all unseren Schritten unseres Lebens zu sehen. Dadurch werden wir auch in die Lage versetzt, die gefährlichen Wege des Unglaubens, des Schirks (Verehrung anderer neben Allâh) und der Unmoral zu erkennen und zu vermeiden. Wann immer ein falscher Führer auf unserem Weg auftaucht, werden einige Worte genügen, um zu erkennen, dass wir ihm nicht folgen sollten.

 

Nach Wissen wird gestrebt; es wird mit Bescheidenheit praktiziert und führt dann zu Würde, Freiheit und Gerechtigkeit.

 

Der Hauptzweck unseres Strebens nach Wissen ist, dass es uns unserem Schöpfer näher bringt. Es dient nicht ausschließlich der Zufriedenheit unseres Gemütes oder unserer Sinne. Es handelt sich dabei nicht um Wissen mit dem einzigen Ziel, eben dieses Wissen zu haben. Das Wissen muss dementsprechend mit Werten und Zielen verbunden sein.

 

Einer der Zwecke unseres Strebens nach Wissen ist die Erlangung des Guten dieser Welt, nicht ihre Zerstörung durch Verschwendung, Arroganz und durch das unbekümmerte Streben nach größerem materiellem Komfort.

 

 

Sechs Verhaltensregeln beim Lernen

 

Ibn Al-Qayyim sagte: „Es gibt sechs Phasen bis zur vollständigen Erlangung von Wissen:

 

Erstens: Man stellt auf die richtige Art Fragen.

Zweitens: Still sein und aufmerksam zuhören.

Drittens: Richtig verstehen.

Viertens: Auswendig lernen.

Fünftens: Lehren.

Sechstens und dies sind die Früchte: Nach dem angeeigneten Wissen handeln und sich an seine Grenzen halten.“

 

 

Schlusswort

 

Entsprechend der qurânischen Perspektive ist Wissen eine Voraussetzung für die Herstellung einer gerechten Welt, in der echter Friede vorherrscht. Im Falle von Unruhen im Lande oder eines Krieges betont der Qurân die Wichtigkeit des Strebens nach Wissen. Allâh sagt:  {Es steht den Gläubigen nicht zu, allesamt auszurücken. Wenn doch von jeder Gruppe von ihnen ein Teil ausrücken würde, um (mehr) von der Religion zu erlernen und um ihre Leute zu warnen, wenn sie zu ihnen zurückkehren, auf dass sie sich vorsehen mögen.  } [ Sûra 9:122]


Quelle: www.islamweb.net