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Die Lage der Witwen in der Gesellschaft

 

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Die Liebe zu den Kindern kann sogar so weit gehen, dass sie dadurch nicht mehr heiratet und diese Liebe die Unruhe und Depressionen vergessen lässt. Deswegen soll die Gesellschaft der Frau helfen zu heiraten, falls die Witwe heiraten möchte. Dies gilt weder als Betrug gegenüber dem verstorbenen Mann noch als Undankbarkeit.

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Der Ehemann ist gestorben! Alle sprechen der Witwe ihr Beileid aus und machen ihr Mut. Nachdem die Tage des Beileids vorbei sind, wird der Witwe bewusst, dass sie mit ihrer schwierigen Lage bzw. neuen Verantwortung alleine dasteht. Sie befindet sich in einer schweren Position, da die ganze Gesellschaft sie als Witwe betrachtet. Wie sieht die Lage der Witwe in der Gesellschaft nun aus und was sagen die Fachleute über diese Angelegenheit?

 

Auf diese Fragen wird Dr. Hamdî Yâsîn antworten, der an der Universität Ain Schams in Ägypten das Fach Psychologie lehrt:

 

Die Betrachtung (der Witwe) hängt mit der natürlichen Veranlagung, Bildung und Moral der Gesellschaft zusammen, sowie ihrem Festhalten am Glauben und den Erfahrungen, die die Menschen im eigenen Familienbereich sammeln, weil die eigene Mutter oder Schwester durch den Tod deren Mannes zur Witwe wurde. Jene beurteilen diese Frauen auf die richtige und angemessene Weise. Es hängt vom Verhalten der Witwe ab, ob sie von den Leuten positiv oder negativ eingeschätzt wird. Sie wird meistens Unterstützung und Hilfe finden bzw. milden Umgang von den Leuten erfahren, wenn sie ihrem Ehemann treu war und sich mit ihren Kindern durchs Leben kämpfte. Man wird ihr bei der Erziehung ihrer Kinder sowie deren Schutz und Fürsorge helfen. Falls sie nicht treu war und sich auch nicht um ihre Kinder kümmerte, wird sie die bereits erwähnte Hilfe von den Leuten nicht empfangen.

 

Dr. Hamdî Yâsîn fügt hinzu, dass es sehr wichtig für die gesellschaftliche Betrachtung dieses Themas ist, dass Verständnis und religiöses Wissen der Leute über Witwen ausgeprägt sind, damit die Leute nicht von dubiosen Dingen sprechen oder zu Unrecht ehrbare Frauen der Unzucht beschuldigen.

 

Das positive Bild bzw. die positive Meinung über die Witwe hilft dieser, eine gute Beziehung mit den anderen Menschen zu pflegen (bei der Arbeit, mit den Nachbarn und Verwandten). Sie sitzt dann nicht alleine da und lässt alle Erinnerungen noch einmal durch den Kopf ziehen oder plagt sich mit den Einflüsterungen des Teufels herum, sondern holt sich bei jenen Leuten „Erste Hilfe“ und Unterstützung, um wieder von vorne anzufangen.

 

Dr. Nabîl As-Samâlûtî, ehemaliger Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften der Azhar- Universität, definiert die Witwe als „Dame, die ihren Ehemann, also ihre Stütze und Familie verloren hat“. Diese Definition hat zur Folge, dass ihre Söhne sie zu versorgen haben. Die arabische Gesellschaft behandelt die Witwe mit Güte und Barmherzigkeit, da sie sich ihrer Ansicht nach in einer besonderen Lage befindet und Hilfe sowie Unterstützung benötigt.

 

Dr. Nabîl As-Samâlûtî meint ferner, dass sich das positive Bild über die Witwe eventuell auch negativ entwickeln könne, wenn sie nach dem Tod ihres Mannes gleich wieder heiraten möchte. Manche Leute bezeichnen sie dann als undankbar und dass sie nicht in Treue ihres verstorbenen Ehemannes gedenkt oder sich nicht um die Kinder kümmern möchte.

 

Dieses negative Bild ist jedoch ungerechtfertigt, da es ihr – nach Ablauf der Wartefrist – erlaubt ist, wieder zu heiraten; besonders wenn sie schon ein bestimmtes Alter erreicht hat und Kinder hat, die die Hilfe und Führung eines Vaters benötigen. Sie darf also heiraten, um ihre Keuschheit zu bewahren und um das Eheleben in einer normalen Familie weiterzuführen. Ihr Ehemann soll gütig und barmherzig zu ihr sein und auch die Fähigkeit besitzen, auf ihren Zustand einzugehen. Er muss also den Platz des Vaters in der neuen Familie einnehmen. Es gibt einige Ausnahmesituationen, in denen der neue Mann die Kinder der Witwe ablehnt oder die Witwe sich nicht mehr um ihre Kinder kümmert. Dabei handelt es sich aber um Einzelfälle, die man nicht als Vergleich über die Ansicht der Gesellschaft bezüglich der Witwen heranziehen kann.

 

Falls die Witwe nun aber noch einmal heiratet, sollte sie ihre Zeit den Kinder sowie deren Erziehung und Aufsicht widmen.

 

Viele Medien berichten über die Witwe negativ und rücken sie in ein schlechtes Bild, was ein tadelnswertes Benehmen darstellt. Diese Medien sollen Allâh fürchten und der Gesellschaft das richtige Bild der Witwe vermitteln, damit diese als Vorbild für andere dasteht. Denn die Medien haben einen großen Einfluss auf die Werte, Handlungen und Steuerung der Gedanken der Menschen – sei es nun in Bezug auf ihre Heirat nach dem Tod ihres Mannes oder in Bezug auf ihren Kampf um die Kinder.

 

Weiter auftretende Probleme…

Frau Doktor Manâl Abdul-Âl – Schule der Sozialabteilung für Ethik in Kairo – erwähnt, dass die Gesellschaft Mitleid mit der Witwe hat, jedoch an der geschiedenen Frau Zweifel hegt. Die Ansichtsweise der Gesellschaft in Bezug auf die Witwe ist also „gütiger“, da sie ohne etwas dafür zu können, ihre Familie verlor. Die Witwe muss sich mehreren Problemen stellen:

 

1.Hinsichtlich der Familie des verstorbenen Mannes; denn wenn sie erneut heiraten möchte und bereits Kinder hat, kommen Probleme bei der Erziehung auf, da die Familie des verstorbenen Mannes manchmal von der Frau fordert, eine andere männliche Person aus der Familie zu heiraten (auf Grund der Kinder).

 

2. Die Familie der Witwe, die die Witwe mit harten Worten in das Familienhaus bringen will, aus Angst, dass ihr etwas zustoßen könne. So bleibt sie also im Haus ihrer Familie. Dies wird nicht schwer für sie, falls beide Elternteile oder auch einer noch am Leben sind. Falls aber beide verstorben sind, ist die Situation im „alten“ Familienhaus nicht gerade leicht.

 

3. Sie wird für die Freundinnen und Nachbarinnen eine „Rivalin“, da keine dieser Frauen möchte, dass ihre Männer diese Witwe erblicken (aus Angst, dass ihre Männer sie auf Grund ihres Witwenstandes vielleicht heiraten).

 

Frau Doktor Âmina Abû Kaifa sagte dazu: „Es besteht kein Zweifel daran, dass der Ehemann der Versorger und die Hilfe für jede Witwe war. Falls die Frau ihren Mann verliert, verliert sie auch für einige Zeit ihr Gleichgewicht und bricht entweder zusammen oder bleibt weiterhin standhaft. Die arabische islâmische Frau hat meistens mehr psychische Kraft und Willen und erträgt die Schicksalsschläge geduldig. Sie übernimmt danach die Mutter- und Vaterrolle, die besonders bei Witwen sehr ausgeprägt bzw. vorhanden ist.

 

Aus psychischem Betrachtungswinkel fallen sowohl diese Frau als auch die Kinder in eine sentimentale Leere (auf Grund des Nichtvorhandenseins eines Vaters). Deswegen muss die Frau dieses Vakuum wieder mit der neuen Heirat füllen. Es kommt manchmal vor, dass die Frau sich nicht an die Heirat wagt, auf Grund des Druckes der Gesellschaft oder aus Sorge um ihre Kinder. So lebt sie also zwischen dem Wunsch nach Befriedigung ihrer Bedürfnisse und der Sorge um ihre Kinder.

 

Die Liebe zu den Kindern kann sogar so weit gehen, dass sie dadurch nicht mehr heiratet und diese Liebe die Unruhe und Depressionen vergessen lässt. Deswegen soll die Gesellschaft der Frau helfen zu heiraten, falls die Witwe heiraten möchte. Dies gilt weder als Betrug gegenüber dem verstorbenen Mann noch als Undankbarkeit.

 

Dr. Abdulazîz Ramadân erklärt uns die Sichtweise des Islâm zum Ablauf der Heirat der Witwe:

"Der Islâm lässt die natürlichen Veranlagungen des Menschen nicht außer Acht, deshalb ist es der Witwe im Islâm erlaubt zu heiraten. Ihre Wartezeit beträgt nach dem Tod des Mannes vier Monate und zehn Tage oder die Geburt des Kindes, falls sie schwanger ist.

 

Der Prophet  heiratete Umm Salama, die auch eine Witwe war. Er hielt um ihre Hand an, worauf sie sagte: «Keiner von meinen Angehörigen ist anwesend.» Er  sagte: «Keiner deiner Angehörigen ist anwesend, jedoch wird kein Abwesender diese Heirat leugnen.» Darauf sagte sie zu ihrem Sohn: «Komm und sei mein Zeuge für die Heirat mit dem Propheten !»."

 

Dr. Abdulazîz Ramadân fährt fort: "Der Islâm erlaubt es, um die Hand einer Witwe oder Geschiedenen anzuhalten, selbst wenn sie sich noch in ihrer Wartezeit befindet. Dies macht man mit Andeutung und Anspielung, ohne es direkt auszusprechen. Die Heirat ist ein Schutz für den Mann und die Frau. Leider gibt es viele Leute bzw. Traditionen, die schlecht über jene Witwen denken, die nach dem Tod ihres Ehemannes noch einmal heiraten möchten. Dies ist aber eine falsche Ansichtsweise und Betrachtung. Vielmehr muss die Mutter für das Wohl der Kinder sorgen (durch die Auswahl eines Mannes zur Heirat) und die Kinder müssen auch die Bedürfnisse der Mutter respektieren und sie bei der Heirat unterstützen und nicht schlecht über sie denken, egal wie alt die Mutter auch sein mag. Ich rufe die Gesellschaft dazu auf, Rücksicht auf die Witwen zu nehmen. Wer sich für die Erziehung und Verpflegung eines Waisenkindes verpflichtet, der wird neben dem Propheten  im Paradies sein."

 

Dr. Râschid ist der Meinung, dass die Witwe etwas Zeit benötigt, um sich an die neue Situation zu gewöhnen, da sie sich nach dem Tod ihres Ehemannes schwach fühlt und unfähig ist irgendwelche Entscheidungen zu treffen oder Verantwortung zu übernehmen. Mit der Zeit wird sie sich an die neue Situation gewöhnen, besonders dann, wenn sie Hilfe von ihrer Umgebung erfährt. Sie soll zwei Mittel nutzen, um diese Situation zu meistern:

 

1. Die Vermehrung von guten Taten, besonders das Rezitieren des Qurân und das Gebet

2. Das Aneignen von mehr Wissen darüber, wie sie mit ihrer neuen Lage zurechtkommen kann.


Quelle: islamweb.net

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